Untergrund 2007
Ich weiß nicht, ob der Penner von Familie träumt, dort, auf der Bank am Wittenbergplatz, er riecht wie ein Tier, doch niemand würde ihm eine Leine umlegen, oder einen Fressnapf hinstellen. Getränke zu seinen Füßen riechen nach Desinfektion, und Krankenhaus, und wahrscheinlich sichern sie ihm so das Leben. Ich könnte ihm den Tod wünschen, weiß aber nicht, ob ich Gott spielen darf. So gehe ich einfach weiter, mit seinem Geruch in der Nase und der Gestank verfolgt mich, bis zum Imbissstand, wo ein verirrter Tourist mit dem Falkstadtplan kämpft, verfolgt mich bis zur Rolltreppe, wo ein gehetzter Tourist mit der Reisetasche Barrieren baut, und er verfolgt mich bis zu den Gleisen, bis auf den Bahnsteig, wo ein anderer Penner liegt, und vielleicht von Familie träumt, so wie ich, und wie ein Tier riecht, doch niemand würde ihn in einen Käfig sperren, so wie mich. Und wir beide warten auf unterschiedliche Dinge, und doch sollen sie den selben Zweck erfüllen:-fortbringen, wegbringen, weiterbringen, irgendwohin, dort, wo es eigentlich nie besser wird, aber anders.
Und ich lege mich auf eine Bank, und ich frage mich, ob ich von Familie träumen werde, wenn ich die Augen schließe.
[...] und das Wundervolle ist dann der Moment, wenn man feststellt, dass man nicht mehr auf etwas zu warten braucht. Weil das Leben eine Wendung genommen und man es zugelassen hat.
Wir beide erleben es tagtäglich, seit dem 18.12.
Seit diesem Tag trägt Glück Deinen Namen und das Leben besteht aus einem WIR in aller Unendlichkeit.
Ich mag das Gedicht von Rilke, in dem man immer wieder diesen traurigen Blick des Panthers spürt, der einen durch die Gitterstäbe bis in alle Tiefen berührt.
Ich denke dann an Menschen, die sich selbst hinter Gitter verschanzen, weil sie zum einen nicht an Besseres glauben und den Schritt in das Andere nicht wagen.
Und dann denke ich an das Glück unserer ersten Begegnung, an Deine Liebe und daran, wie viel Du mir bedeutest.
Das Leben mit Dir ist so wundervoll und wenn ich die Augen schließe, weiß ich welches Bild ich vor mir sehe: es wird immer Dein Gesicht sein.
Ich liebe Dich.